Zweiter Blick: Einführung in das Barrierefreie Webdesign

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Einführung in das Barrierefreie Webdesign (BFWD)

Bedeutung von BFWD

Das Internet ist im beruflichen und privaten Alltag für kaum jemanden wegzudenken. Es bietet für alle Menschen eine breite Palette an Möglichkeiten zur Kommunikation, zum Erwerb von Information und zu Aktionen und Aktivitäten. Recherchen können durchgeführt, Bestellungen aufgegeben oder Haushaltsgeräte aus der Ferne gesteuert werden. Das Internet kann auf diese Weise den Alltag für alle erleichtern.

Beispiele für die Bedeutung für Menschen mit Behinderungen

Das Internet kann insbesondere für Menschen mit Behinderungen den Alltag nicht nur erleichtern, sondern bislang nicht da gewesene neue Möglichkeiten eröffnen:

  • Das Nachschlagen in Wörterbüchern in Blindenschrift bedeutet für Blinde einen enormen Aufwand und beschränkt sich auf ein schmales Angebot. Wikipedia, Leo und ähnliche Webseiten hingegen sind rasch, aktuell und einfach zu erreichen.
  • Ein Einkauf stellt für Menschen mit Körperbehinderungen eine physische Belastung dar, die durch Online-Bestellangebote vermieden werden kann.
  • Der Druck von Informationsmaterial für unterschiedliche Zielgruppen ist teuer und unflexibel, weil Aktualisierungen mit einer Neuauflage verbunden sind. Digitale Versionen etwa für Menschen mit Lernbehinderungen sind hingegen vergleichsweise leicht zu veröffentlichen und zu aktualisieren.

Nutzen für Alle

Von gut lesbaren, bequem erreichbaren und leicht verständlichen Angeboten auf Webseiten profitieren nicht nur Menschen mit Behinderungen.

Beispiele für den Nutzen für Alle

  • Eine Sehbehinderte und ein Strandurlauber können Inhalte am Display besser sehen.
  • Ein zittriger Mensch oder jemand am Tochscreen können eine Webseite leichter bedienen.
  • Ein Mann mit geringerem Wortschatz versteht eine Seite ebenso leichter, wie eine Gastprofessorin aus dem Ausland. Und das unabhängig vom Betriebssystem, der verwendeten Software oder dem Bediengerät.

Anforderungen an das Webdesign

Das World Wide Web Consortium (W3C) hat in den WCAG Anforderungen an ein Barrierefreies Webdesign unter vier Prinzipien zusammengefasst. Eine barrierefreie Webseite ist:

  • wahrnehmbar (perceivable)
  • bedienbar (operable)
  • verständlich (understandable)
  • robust in unterschiedlicher Hard- und Softwareumgebung

Die Anfangsbuchstaben der englischsprachigen Prinzipien PERCEIVABLE, OPERABLE, UNDERSTANDABLE, ROBUST können als Gedächtnisstütze POUR verwendet werden. Gelegentlich wird entsprechend auch vom POUR-Design gesprochen.

Aufgabenverteilung im BFWD

Aus den Bedürfnissen, rechtlichen Anforderungen und individuellen Seitenerfordernissen ergeben sich Aufgaben und Tipps für Betreiber von Webseiten, das grafische Erscheinungsbild, die technische Umsetzung und die redaktionelle Gestaltung der Webseiten.

  • BetreiberInnen entscheiden über Konformitätsniveaus und gewährleisten Standards und redaktionelle Schulungen.
  • Grafikerinnen optimieren im visuellen Design das Erscheinungsbild von Seitenelementen, auch das für visuelle Effekte.
  • TechnikerInnen gewährleisten einen validen Code und optimieren die Arbeitsumgebung (CMS).
  • RedakteurInnen gestalten die Inhalte nach semantischen und sprachlichen Erfordernissen.

Fachkräfte für BFWD einbinden

Erfahrungsgemäß sind selbst größere Webagenturen nicht für den erforderlichen Prozess und die Gewährleistung der Standards gewappnet. Einzelne Betroffene nach ihrer Einschätzung zu fragen, ist ineffizient und unprofessionell.

Fachkräfte sollten daher in folgenden Bereichen eingebunden werden.

  • Prozessbegleitung zur Umsetzung der individuellen Anforderungen.
  • Entwicklung und Evaluation des Designs.
  • Schulung von RedakteurInnen.
  • Gegebenenfalls Agenturen zur Übersetzung von Texten in leichte Sprache.