Zweiter Blick: Sprachkennzeichnungen

BarrierefreiheitDarstellungsoptionen



Sprache des Webauftritts und von Seitenbereichen

Bedeutung der Kennzeichnung der natürlichen Sprache

Die Festlegung der natürlichen Sprache (Deutsch, Englisch, …) ist für Menschen, die mit einer Sprachausgabe arbeiten höchst wichtig. Fehlt die Sprachauszeichnung oder ist sie fehlerhaft, versucht die Sprachausgabe etwa, einen deutschen Text mit der englischen Sprachausgabe vorzulesen. Das ist fatal unverständlich, wie alle verstehen werden, die eine Unterhaltung mit einem starken fremdsprachigen Akzent erlebt haben. Mit einer falschen Sprachausgabe klingt es nur noch viel schlimmer.

Ist die natürliche Sprache einer Webseite korrekt angegeben, müssen spezielle Zeichen, wie sie in vielen Sprachen vorkommen, auch nicht mehr extra codiert werden. (ä = ä)

Die Angabe der natürlichen Sprache einer Seite verbessert auch den Einsatz von technischen Übersetzungsprogrammen.

Sprache der Seite

In älteren HTML-Versionen erfolgt die Festlegung der Sprache gemeinsam mit anderen Anweisungen im HTML-Kopfbereich. Das kann folgendermaßen aussehen:

<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de">

In HTML5 sieht der Code dafür schon einfacher und übersichtlicher aus:

<html lang="de">

WCAG Richtlinie zur Kennzeichnung der natürlichen Sprache

In den WCAG 2.0 wird auch die exakte Kennzeichnung der natürlichen Sprache einer Seite als Level A Kriterium 2.4.2 angesehen:

Die natürliche Standardsprache jeder Webseite kann programmtechnisch festgelegt werden.

Anmerkung

Ich würde für die Alltagspraxis sinngemäß folgendermaßen präzisieren:

Die natürliche Standardsprache jeder Webseite ist technisch festgelegt.

Fremdsprachliche Seitenbereiche

Bedeutung von fremdsprachlichen Seitenbereichen

Screen Reader können fremdsprachige Ausdrücke oder Abschritte mit einer entsprechenden Sprachausgabe wiedergeben, wenn diese Elemente technisch gekennzeichnet sind. Befinden sich innerhalb einer Webseite Textabschnitte, die von der Standardsprache abweichen, sollten diese daher im jeweiligen HTML-Element mit dem LANG-Attribut entsprechend verständlich gemacht werden:

Wenn Sie über einen Screen Reader verfügen, können Sie das Verhalten in folgendem Beispiel testen:

The truth is rarely pure and never simple. (Oscar Wile)

Anmerkung

Das Kriterium wurde unter das Prinzip Verständlichkeit eingereiht. Aus meiner eigenen oft leidvollen Erfahrung kann ich sagen, dass es auch unter das Prinzip Wahrnehmbarkeit gepasst hätte.

Ambivalenz der Sprachänderung

Der Wechsel zwischen Sprachausgaben wird vielfach als störend empfunden und sollte daher auf ein minimal erforderliches Ausmaß beschränkt bleiben. Fremdsprachige Ausdrücke, die auch durch eine deutschsprachige Sprachausgabe verständlich vorgelesen werden, benötigen keine technische Sprachkennzeichnung.

Zudem verfügt der Wortschatz deutschsprachiger Sprachausgaben natürlich bereits über englischsprachige Ausdrücke. Meiner Erfahrung nach können etwa folgende Ausdrücke ohne explizite Kennzeichnung der natürlichen Sprache verwendet werden:

Accessibility, Content, Feature, Management, Reader, Screen, Tutorials, Word, …

Diese Beispielsammlung kann natürlich gerne erweitert und korrigiert werden.

Übersetzung oder Erläuterung im TITLE-Attribut

Es kann zweckmäßig sein, einem fremdsprachigen Ausdruck im Titel des <span>-Bereichs eine Übersetzung oder im Fall des Namens einer Einrichtung dessen Bedeutung zur Beschreibung anzubieten. Der Code für eine einfache Übersetzung im Titel sieht folgendermaßen aus:

<span lang="en" title="Fahrrad">bicycle</span>

Davon ausgenommen sind natürlich fremdsprachige Ausdrücke, die in den deutschsprachigen Wortschatz aufgenommen sind, wie Homepage oder Coaching. Auch der Firmenname Facebook dürfte keiner Erklärung im Titelattribut bedürfen. Allerdings hängen diese Entscheidungen von der Zielgruppe und deren Wortschatz ab.

Breadcrumbs oder Sitemap hingegen dürften überwiegend als Fachausdrücke anzusehen sein. Sitemap kann dabei wohl etwa mit title="Seitenübersicht" übersetzt werden, wohingegen die wörtliche Übersetzung von Breadcrumbs (Brotkrümmel) im Webdesign wenig hilfreich ist. Statt dessen wird wohl eine Erläuterung title="Sie sind hier" zweckmäßig sein.

Aussprachefehler der Sprachausgabe

Bedeutung der Aussprachefehler

Wenn ein Text auch als deutschsprachig gekennzeichnet ist, kann eine Sprachausgabe dennoch nicht alleine auf deutschsprachige Phoneme zurückgreifen oder in anderen Fällen diese effizient missbrauchen. Denken wir beispielsweise an die Farbe Orange oder den Ausdruck Homepage.

Mein System liest mir Orange derzeit als or-an-ge vor, während der aus dem englischen stammende Ausdruck Homepage sich phonetisch wie hom-pe-itsch anhört und damit verständlich klingt. Mein System verfügt also über eine phonetisch adäquate Umsetzung für die Zeichenfolge Homepage, nicht jedoch für Orange.

Relevanz der Aussprachefehler für das Webdesign

Zum den Aufgaben des Barrierefreien Webdesign gehört es in der Regel nicht, sich um die Aussprache zu kümmern, solange die natürliche Sprache mit dem <lang>-Attribut gekennzeichnet ist.

Die Aussprache ist Aufgabe der Entwicklung von Screen Readern und Sprachausgaben. Diese müssen über Aussprachewörterbücher und Optionen zur Ausspracheanpassung verfügen.

Auch Personen, die auf Sprachausgabe angewiesen sind, haben ihren Beitrag zu leisten: Sie sollten technische Mechanismen zur Verbesserung der Aussprache erlernen und anwenden. Und sie sollten verfügbare Strategien zum Ermitteln von Aussprachefehlern etwa mittels Tastaturnavigation anwenden können.

Technische Überlegungen sind jedoch erforderlich, wenn sich auf einer Seite fremdsprachige Bereiche befinden, für die keine Sprachausgabe verfügbar ist oder die entsprechende Sprachausgabe vermutlich nicht installiert ist. Erfahrungsgemäß sind dies vor allem Sprachen mit einem für den Webauftritt selten benötigten Zeichencode, etwa griechisch, arabisch oder aus ostasiatischen Regionen.

Tipps zur Aussprache ür das Best Practise

Bindestriche

Ein - wird als Bindestich vorgelesen und nicht als bis, wenn es etwa um einen Zeitintervall geht. Es ist daher fein, wenn der Text nicht 14-17 Uhr lautet sondern 14 bis 17 Uhr.