Zweiter Blick: Usability - Die Benutzbarkeit von Web

BarrierefreiheitDarstellungsoptionen



Usability - Die Benutzerfreundlichkeit

Prinzipien des Usability Designs

Don’t make me think!

Wir haben beim Surfen im Web Erfahrungswerte und Erwartungen. Wenn diesen Erfahrungswerten und Erwartungen im Webdesign entsprochen wird, tun wir uns beim Surfen einfach leichter. Andernfalls müssen wir überlegen, was wir zu tun haben oder nach Inhalten und Funktionalitäten mehr als gewöhnlich suchen. Benutzerfreundlich ist es, wenn solche Überlegungen und zusätzlichen Suchvorgänge nicht erforderlich sind.

Schlechte Beispiele

  • Am linken oder oberen Bildschirmrand kann ich auf eine Auswahl klicken. Im Fachjargon wird dieser zu Recht erwartete Seitenbereich als Hauptnavigation bezeichnet. Befindet sich so etwas nicht an der erwarteten Stelle, muss ich grübeln, wo ich auf der Seite nach dem, was die Hauptnavigation sein wird, suchen. Ein solches Grübeln und Suchen sollte auf keiner Webseite erforderlich sein.

  • Wir sind gewohnt, dass sich unter einer Überschrift ein Text befindet. Muss ich erst auf die Überschrift klicken, um den Text anzuzeigen, so muss ich diese Funktionalität erst herausfinden. Wenn die Überschriften zudem nicht klar als Schalter erkennbar sind, werde ich noch mehr zum Grübeln kommen.

Einfache Sprache

Eine einfache Sprache fällt nicht in erster Linie unter dieses Prinzip, weil es eher um die Bedienbarkeit geht. Es ist jedoch klar, dass eine einfache Sprache und klar verständliche Formulierungen weniger zum Nachdenken bringen.

Know Thy Client!

Bei der technischen und textlichen Realisierung von Webauftritten, Webseiten und deren Bereichen ist es von zentraler Bedeutung sich der Zielgruppen bewusst zu sein. Teilweise lassen sich Benutzergruppen und deren Verhalten durch technische Analyseinstrumente identifizieren. Tatsächliche Benutzergruppen müssen jedoch nicht mit den intentierten Zielgruppen übereinstimmen.

Es empfiehlt sich daher bei der Entwicklung Methoden zur Zielgruppenidentifizierung unabhängig von technischen Verfahren zur Benutzeranalyse zu entwickeln. Ein geeignetes Verfahren stellt etwa das Persona-Verfahren dar, in dem typische Repräsentanten von Zielgruppen bei der Entwicklung bedacht werden.

Methoden zum Verbessern der Benutzerfreundlichkeit (Usability Engineering)

  • Cognitive Think Through title="Durchdenken"
  • Card Sorting

Persona (Zielgruppen durchdenken)

Bei der Persona handelt es sich um eine Methode im Rahmen des Cognitive Think Through. Wir konstruieren für eine typische Zielgruppe ein fiktives Individuum und überlegen uns, wie es diesem Individuum auf unserem Webauftritt ergehen könnte und sollte.

Die Reflexionen aus diesen Überlegungen werden zur weiteren Optimierung im Hinblick auf die Nutzerperspektive verwendet.

Diese Methode empfiehlt sich besonders bei der Entwicklung von Navigationsbereichen auf Webseiten.

Beispiele für eine Persona

  • Eine zugezogene Person such auf der Webseite der Gemeine nach einem Anmeldeformular.
  • Eine redaktionell verantwortliche Person in einem größeren Kommunalbetrieb sucht auf zweiterblick.at nach Informationen im Hinblick auf barrierefreies Webdesign.
  • Ein Mann mit 35 Jahren und einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen sucht in einem Online Shop nach biologischen Produkten.

Card Sorting

Die Methode und deren Bezeichnung beruhen auf einem spielerischen Prinzip. Wir sortieren ein gemischtes Kartenset. Doch nach welchem Prinzip gehen wir vor? Sammeln wir alle Herzkarten, Karo usw.? Oder sortieren wir nach dem Wert der einzelnen Karte? Oder trenne wir bloß zwischen Karten mit oder ohne Figuren darauf?

Wir stoßen im Alltag ständig auf Fragen des richtigen Ablegens von Daten bzw. im Webdesign Vernetzens von Daten. Wo legen wir die Unterlagen zu Steuerangelegenheiten aus dem Jahr 2016 ab? Im Ordner Steuerangelegenheiten mit dem Unterordner 2016 neben anderen Jahreszahlen? Oder doch im Ordner 2016 mit dem Unterordner Steuerangelegenheiten neben Fotos, Korrespondenz und Ähnichem? Ach, und wohin kommt die Korrespondenz zu Steuerangelegenheiten aus dem Jahr 2016?

Im Webdesign beschäftigen uns ebenso Fragen nach der Zuordnung. Gehört das Thema Barrierefreiheit als Prozess in der Seitenhierarchie zu Informationen > Barrierefreiheit oder eher zu Angebote > Prozessbegleitung? Oder sollte nicht doch eine Hierarchie Barrierefreiheit > Vorgehen angelegt werden?

Eine gute Möglichkeit zur Seitenstrukturierung ist es, einzelne Angebote und Informationen auf analogen (!) Kärtchen zu notieren und potentielle Nutzer und Nutzerinnen einzuladen, die Kärtchen zu sortieren und mit Überschriften zu versehen. Man kann diese Methode natürlich auch für sich selbst ausprobieren.